
Campus sollte nach 4,5 Jahren Vorbereitung gebaut werden.
Von Martin Himmelheber
Schramberg. 07.08.2026 - Schon gründlich beraten hatte der besondere Ausschuss Schulcampus (BAS), wie es mit diesem Schramberger Großprojekt weitergehen soll. Doch auch im Gemeinderat gab es nochmal Diskussionsbedarf. Wozu braucht es so viele Berater? Ist die Ausweisung eines Sanierungsgebietes wirklich hilfreich? Und können wir uns das Ganze überhaupt noch leiten?
Unstrittig war, dass die Stadt nicht selbst das Projekt abwickeln soll, sondern einen Totalunternehmer beauftragt. Das hatte die PD-Beratungsgesellschaft vorgeschlagen.
Leistungsphase 3 für Funktionalausschreibung nutzen
Der Abteilungsleiter Hochbau Etienne Seif schlug weiter vor, auf die Planer zuzugehen und mit ihnen Ziele festzulegen für die Leistungsphase 3. Diese soll dann als Grundlage für die Funktionalausschreibung dienen. „Wir wollen da eigentlich die Architekten heraushalten.“ Im Besonderen Ausschuss war deutlich geworden, dass spezialisierte Fachbüros bei einem so großen Vorhaben besser geeignet wären.
Weiter bat Seif den Rat, die Mittel für ein noch erforderliche Brandschutzplanung frei zu geben. Sonst seien die anderen Planer ausgebremst.
Zum Vorgehen beim Bebauungsplan, dem Parkierungsstandort und einer möglichen Erweiterung der Karl-Diehl-Halle habe es im BAS Empfehlungsbeschlüsse gegeben. Ebenso zum Vorschlag für eine Interimsschule auf dem Schweizer-Parkplatz und zur Beantragung eines Sanierungsgebiets. Auch der Rückbau des ehemaligen Don-Bosco-Kindergartens und der dazugehörigen Modulbauten sowie einer Kostenschätzung für den Abbruch des JUKS-Gebäudes und für eine andere Unterbringung des JUKS-Teams waren im BAS unstrittig.
Sperrvermerk für Planung aufheben
Schließlich schlug Seif vor, die Stadt solle weiterhin die PD-Berater an Bord behalten, zumal deren Tätigkeit für die Stadt weiterhin kostenlos sei. Außerdem sollte die Stadt gegebenenfalls eine Kanzlei hinzuziehen.
Neu war sein Wunsch, der Rat möge einen Sperrvermerk im Haushalt aufheben. Für die Leistungsphase 3 seien 150.000 Euro erforderlich. Die Aufhebung sei wichtig, „damit wir im zeiten Halbjahr agieren können“, so Seif.
Was bringt ein Sanierungsgebiet?
Dominik Dieterle (CDU) forderte, man müsse mit der Planung vorankommen. Er fragte, wozu man die Berater bräuchte. „Wir sollten uns auf die Planung konzentrieren.“ Auch bezweifelte er den Sinn eines Sanierungsgebiets. Das diene der städtebaulichen Erneuerung. „Wir wollen aber ein Schulgebäude bauen.“ Ein Sanierungsgebiet mache alles viel komplizierter, fürchtete Dieterle. Es könne einen „immensen Zeitverzug“ bedeuten und werde „finanziell nicht so viel bringen“.
Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr erinnerte an den Gemeinderatsbeschluss, das Gebiet um den geplanten Schulcampus als Sanierungsgebiet auszuweisen. Dieterles Bedenken zum Sanierungsgebiet seien bisher nicht bekannt gewesen. Über ein Sanierungsgebiet werde das Regierungspräsidium den Abbruch der alten Gebäude fördern. Man werde auch einen weiteren Bereich bis zur Schiltach ausweisen. Dort gebe es durchaus städtebauliche Missstände. Wir könnten auch Papier-Maier mit dazu nehmen“, so Eisenlohr.
Berater für sehr komplexes Projekt wichtig
Weil das Verfahren mit einem Totalunternehmer „sehr komplex“ sei, empfehle er die Berater hinzuzuziehen, ergänzte Seif. Und zwar, bevor die Stadt eine Funktionalausschreibung „auf den Markt bringt“.
Seif warnte: „Fehler, die wir da machen, werden uns den ganzen Bau über verfolgen.“ Die PD-Berater der öffentlichen Hand hätten sehr viel Erfahrung mit solchen öffentlich-privaten Partnerschaften.
Auch eine rechtliche Absicherung sei wichtig, damit man später keine juristischen Auseinandersetzungen mit der Baufirma habe. Betrachte man die Kosten dafür im Gesamtrahmen Schulcampus seien sie sehr klein, „im Nullkomma-Bereich“ so Seif. Die PD-Berater seien weiterhin kostenlos.
Eisenlohr erläuterte, diese Berater sollten die Stadt auch bei den Verhandlungen mit dem Regierungspräsidium unterstützen.
Das verblüffte Clemens Maurer (CDU): „Die öffentliche Hand braucht die öffentliche Hand, um mit der öffentlichen Hand zu verhandeln.“ Er forderte die Verwaltung auf, bis zur nächsten Sitzung des BAS am 22. Oktober genauer darzulegen, warum ein Sanierungsgebiet wirklich mehr Nutzen als Kosten brächte.
Damals war man optimistisch und dachte, man könne den Campus nach vier bis viereinhalb Jahren Vorbereitungszeit bauen.
Liebermann hat große Zweifel am Schulcampus
Volker Liebermann (ÖDP) gab schließlich eine persönliche Erklärung ab. Er werde sich künftig beim Thema Schulcampus enthalten. Angesichts der inzwischen zu erwartenden Kosten halte der das Projekt für „fraglich“. Den Standort habe er von Anfang an für fraglich gehalten.
Neben Liebermann enthielten sich bei der Abstimmung auch Ralf Kopp (Freie/Neue Liste) und die AfD-Vertreterin Birgit Kronenbitter. 24 Rätinnen und Räte stimmten für die Verwaltungsvorschläge. Die beiden Vertreter der Aktiven Bürger Frank Kuner und Jürgen Reuter waren nicht anwesend.
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