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Hier in Waldmössingen soll ein neues Wohngebiet entstehen.
Von Martin Himmelheber
Schramberg. 04.06.2026 - Schon vor acht Jahren begannen die Überlegungen für ein Neubaugebiet Kehlenstraße in Waldmössingen. Nun biegt die Stadt so langsam auf die Zielgerade ein. Der Ausschuss für Umwelt und Technik hat dem Gemeinderat empfohlen, dem Bebauungsplanentwurf zuzustimmen. Bis allerdings tatsächlich dort gebaut werden kann, werden mindestens noch zwei Jahre ins Land gehen.
Stadtplaner Joschka Joos schilderte den mühsamen Weg bis heute: Nach den ersten Überlegungen 2018 begannen die Planer nach dem Paragraf 13b im Baugesetzbuch zu planen. Man wählte eine Fläche von maximal 10.000 Quadratmetern. So konnte man den Bebauungsplan in einem Schnellverfahren mit weniger Umweltprüfungen und nur einer Offenlage durchziehen. Doch dann entschied das Bundesverwaltungsgericht, der 13b verstoße gegen EU-Recht.
Alles von vorne
Die Kehlenstraße war noch nicht weit genug gediehen. Deshalb musste die Stadtplanung am 2023 das gesamte Verfahren neu aufrollen. Weil die Beschränkung auf 10.000 Quadratmeter entfiel, dehnten die Planer das Gebiet auf 5,4 Hektar aus.
Die erste, bereits erfolgte Anhörung wird jetzt als „frühzeitige Beteiligung“ genutzt. Nun soll die erneute Beteiligung und Offenlage erfolgen. Auch den Flächennutzungsplan muss man verändern.
Bedarfsnachweis für Neubaugebiet Kehlenstraße war schwierig
Schließlich verlangte das Regierungspräsidium (RP) Freiburg einen Bedarfsnachweis. Nicht so einfach, denn „theoretisch“ gäbe es keinen Bedarf für weitere Wohnbauflächen in Schramberg, so Joos.
Deshalb habe die Stadt andere Wohnbauflächen aus dem Flächennutzungsplan herausgenommen, Flächen, die eh nie bebaut worden wären. Daraufhin habe das RP Anfang März die Schramberger Unterlagen schließlich akzeptiert. Allerdings verlangt das RP einen Bauzwang für die Grundstückskäufer.
Viele Ökopunkte nötig
Strenger als nach 13b sind auch die Forderungen nach ökologischem Ausgleich. „Biotope müssen ausgeglichen werden“, so Joos. Es gehe um zwei Feldgehölze, Fledermäuse und Zauneidechsen. Das werde etwa 530.000 Ökopunkte kosten. Davon ließen sich etwa 36.000 im Gebiet gewinnen.
Mit dem Schützenverein habe die Stadt wegen des Lärmschutzes verhandelt. Zunächst will man im Inneren des Schützenhauses Lärmschutz einbauen. Sollte das nicht reichen, werde man Schritt für Schritt weiteres umsetzen und die Effekte messen, so Joos. Ein Lärmschutzwall wäre sehr viel teurer geworden.
Alle möglichen Wohnformen und Grundstücksgrößen
Im Neubaugebiet Kehlenstraße seien neben Einfamilien- und Doppelhäusern auch Mehrfamilienhäuser und alternative Wohntypen wie Tiny- oder Small-Housse möglich.
Sollte in der zweiten Beteiligungsrunde nichts Gravierendes vorgebracht werden, könnte der Gemeinderat im Herbst den Satzungbeschluss fassen. Dann käme nächstes Jahr die Erschließungsplanung und die Erschließung dran.
Viele Fragen zum Bauzwang, Ökopunkten und Lärmschutz
In der Diskussion fand Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr, die Vergrößerung des Gebietes mache Sinn. Jürgen Kaupp (CDU) fand „gut, dass es nach so vielen Jahren nun weitergeht“. Er wollte wissen, ob der vom RP verhängte Bauzwang für alle Bauplätze gelte. Auch wünschte er, dass die Ökopunkte in Waldmössingen eingesetzt werden. Weiter fragte er, ob Spielstraßen geplant seien, in denen dann nicht geparkt werden dürfe. Schließlich ärgerte er sich über Vorgaben wonach auch ein Ausgleich für Zauneidechsen geschaffen werden müsse, obwohl es die wahrscheinlich nie gab.
Eisenlohr versicherte, alle diejenigen, die Verträge haben, genießen Rechtssicherheit. „Es gibt keinen Bauzwang für diejenigen, die Grundstücke verkauft haben.“
Zu den Ökopunkten konnte Joos nicht sagen, ob da noch genügend im Bereich Pferschelwiesen zur Verfügung stehen. Ansonsten werde die Stadt in anderen städtischen Flächen ausgleichen. Zum Parken meinte er es gelte ein Stellplatzschlüssel. Im Übrigen seien die Straßen mit acht Meter Breite und Gehweg vorgesehen, sodass man auf der Straße parken kann.
Apell an das Landratsamt: „Mehr Augenmaß“
Zum Biotopausgleich fand auch Eisenlohr deutliche Worte. „Es kann doch nicht sein, dass man auch entfallene Biotope noch ausgleichen muss.“ Sie werde das auf die Agenda beim Antrittsbesuch des neuen Landrats nehmen.
Da müsse die untere Naturschutzbehörde „mehr Augenmaß“ haben. Sie hoffe, dass die Maßnahmen künftig verhältnismäßig seien.
Mit Lärm rechnen
Susanne Andreae (SPD-Buntspecht) ging auf das Lärmschutzthema wegen des Schützenhauses ein. Nur ein Bürger habe da Einwände erhoben. Einem Grundstückskäufer könne man doch einfach erklären: „Wenn Du da bauen willst, musst Du mit dem Lärm vom Schützenhaus rechnen.“ Eisenlohr wies darauf hin, dass der Schützenverein seien Betrieb weiterführen möchte und deshalb einen vertragliche Regelung möchte.
Emil Rode (Freie/Neue Liste) fragte, ob es Ökopunkte kosten könnte, wenn nach Jahren nachgebessert werden müsse. Beim Gründlesee, so Joos, schaffe die Stadt etwa 1,5 Millionen Ökopunkte. Diese stünden zur Verfügung.
Baubeginn schon 2028 möglich
Zur Erschließungsplanung und zum Zeitplan ergänzte Konrad Ginter, der Leiter der Abteilung Tiefbau, man habe bereits geplant. Wenn man im Frühjahr 2027 beginne, werde der Straßenbau etwa ein Jahr dauern.
Wenn die Landesstraße saniert werde, werde man gleichzeitig einen Durchlass für das Regenwasser einbauen.
Jürgen Reuter (Aktive Bürger) freute sich, dass es weitergeht. Er erinnerte an die sieben Hektar freie Flächen für die Industrie. Die sollte man bitte nicht so pflegen, dass sie zu Magerwiesen und damit Biotopen würden.
Der AUT gab schließlich dem Gemeinderat einstimmig die Empfehlung, den Bebauungsplan Entwurf zu billigen und die Offenlage anzugehen.
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