Schramberg - News

Stadtarchiv als „Langzeitgedächtnis der Stadt“


Carsten Kohlmann (links) berichtete auch über eine Notfallüb

Von Martin Himmelheber

Schramberg. 20.10.2026 - „Der Speicher ist voll“ – wer kennt das nicht vom PC, Laptop oder Smartphone? Für den Leiter des Stadtarchivs Carsten Kohlmann war der Speicher im ehemaligen Milchwerk am Hammergraben schon mehrfach voll. 2025 gab es deshalb einen Aufnahmestopp für neues Material. In seinem Jahresbericht sah er das Stadtarchiv nun vor einer Zeitenwende. Stichwort: Digitalisierung.

 

Das Speicherproblem habe man dank des Umbaus des ehemaligen EDV-Schulungsraumes etwas entschärft. Dennoch könne das Archiv nur kleinere Aktenmengen aufnehmen – und damit seinen gesetzlichen Auftrag erfüllen. „Ganze Lastwagenladungen mit Unterlagen können wir nicht mehr aufnehmen.“

 

Zeitenwende im Archiv


7,5 Millionen digitale Dokumente kommen auf das Schramberger Stadtarchiv zur Bewertung und danach auch oft zur Aufbewahrung zu. „Das wird die Arbeit verändern“, ist Kohlmann überzeugt.

Bisher habe das Archiv vor allem Papierunterlagen übernommen, geprüft, geordnet und dauerhaft aufbewahrt. Nun komme die digitale Langzeitarchivierung hinzu. Grund für die Änderungen sei die Umstellung der Stadtverwaltung auf die E-Akte 2.0.

 

Bei der Umstellung werde man nicht nur große Datenmengen speichern. Die Unterlagen müssten auch in Zukunft lesbar und auffindbar bleiben. Schramberg werde deshalb dem DIMAG-Verbund des Landesarchivs Baden-Württemberg und der Komm.ONE beitreten. „Wir lernen auch, wie man bei Schäden reagiert“, berichtete Kohlmann. So habe er mit David Kuhner an einer Notfallübung der AG Archive im Landkreis Rottweil im Stadtarchiv Schramberg teilgenommen.

 

Nachfragen werden mehr


Archive seien das „Langzeitgedächtnis einer Stadt“, Auch in Zeiten des Internets würden sie weiterhin gebraucht Das zeigten die zahlreichen Anfragen aus der Bürgerschaft, der Stadtverwaltung, von Journalisten, ja sogar der Freiwilligen Feuerwehr. Gerade erarbeite Thomas Poller, ein Nachfahre der Familie Junghans eine umfassende Biografie von Erhard Junghans und arbeite dafür viel mit dem Archiv.

 

Im Jahr 2025 habe das Stadtarchiv auch eine Ausstellung zu 100 Jahre Foto Kasenbacher im Dieselbau organisiert. Die Vorbereitungen zum Gedenken an Wladyslav Repetowski.

sei seine bisher von der menschlich persönlichen Seite her gesehen anspruchsvollste Aufgabe als Archivar gewesen. Hinzu kamen die Recherchen für die ersten Stolpersteine, die nun im November verlegt werden sollen.. Weitere Stolpersteine werden im Frühjahr 2027 folgen.

Ehrenamtliche und junge Leute im freiwilligen sozialen Jahr Kultur unterstützten das Archiv, so Kohlmann. Sie helfen bei der Erschließung der Bestände und bearbeiten eigene Themen. Schließich dankte er Fachbereichsleiterin Susanne Gwosch für ihre langjährige Unterstützung.  Gwosch wird Ende Oktober aus dem Amt ausscheiden.

 

Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr bedankte sich bei Kohlmann, seinem Team und den Ehrenamtlichen für ihren Arbeit.

 

Elektronische Daten – wie speichert man die sicher?


„Inspirierend“, fand Stadtrat Ralf Rückert (Freie/Neue Liste) Kohlmanns Bericht. Ihn interessierte die Speicherung digitaler Daten. Er fragte, welche Sicherungsmöglichkeiten es da gebe. Wer selbst alte VHS Kassetten oder Tonbänder habe, wisse um dies Probleme, ergänzte sein Fraktionskollege Udo Neudeck.

 

Kohlmann ging zunächst auf eine „historisch einmalige Situation“ bei den digitalen Daten ein. Schramberg sei mit Wien im Jahr 2006 eine der allerersten Städte gewesen, die die digitale Aktenführung eingeführt habe. Nun nach 20 Jahren müsse man einen Registraturschnitt machen. „Alle Daten von rechtlicher und historischer Bedeutung müssen erhalten werden“, versicherte Kohlmann.

 

Künftig gelten Sperrfristen


Die Unterlagen gingen ans Stadtarchiv und unterlägen damit dem Landesarchivgesetz und einer neuen Archivsatzung. Diese werde die Verwaltung demnächst als Ersatz für die bisherige Archivordnung aus dem Jahr 1989 vorschlagen. Das heißt: Es gelten grundsätzlich Sperrfristen. Unterlagen mit personenbezogenen Daten beispielsweise darf man erst 90 Jahre nach der Geburt und zehn Jahre nach dem Tod der betreffenden Person einsehen.

 

Um die Daten für die Speicherung aufzubereiten, sei inzwischen David Kuhner beim Stadtarchiv angestellt. Die Speicherung werde aber auf jeden Fall mehr Geld als bisher kosten.

Was die Speicherung von Ton- und Videobändern angehe, war Kohlmann weniger pessimistisch. In einem kühlen trockenen Raum gelagert, seien sie gut aufzubewahren. Kuhner erfasse gegenwärtig alle DVD, CD-ROMs und so weiter, die sich im Stadtarchiv befänden.

Dabei mache er auch lustige Funde. „So ist eine selbstgebrannte CD aufgetaucht, die unser neuer Fachbereichsleiter Thomas Kuhner in jungen Jahren mit seiner Band ‚Essential Brass‘ aufgenommen hat“, berichtete Kohlmann schmunzelnd.

 

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