Schramberg - News

Schulcampus: Horrorzahlen machen Sorgen


André Weidemann im Besonderen Ausschuss. Foto: him

Von Martin Himmelehber

 

Schramberg. 16.07.2026 - Der Schulcampus könnte unbezahlbar werden: Ein Fachmann hat den verblüfften Mitgliedern des Besonderen Ausschusses für den Schulcampus vorgerechnet, dass man irgendwo bei 88 bis 98 Millionen Euro landen könnte. Vor einen Jahr war noch von 50 Millionen Euro die Rede gewesen.

 

Die aktuelle Zahl stammt aus einer komplizierten Berechnung, die André Weidemann von der Beratungsfirma PD – Berater der öffentlichen Hand  am Dienstagabend im großen Sitzungsaal des Rathauses vorgestellt hat. Sein Auftrag: Prüfen, was für die Stadt am Ende günstiger ist: Den Schulcampus in eigener Regie bauen oder einen General- oder Totalunternehmer damit beauftragen.

 

Um dazu eine Aussage machen zu können, hat Weidemann eine Wirtschaftlichkeitsberechnung mit allerlei Szenarien und Annahmen aufgestellt. Das begann etwa bei der Annahme, dass die Baukosten wie in den letzten Jahren um etwa fünf Prozent pro Jahr steigen. Es ging um das erforderliche Personal im Rathaus, die Risikoabwägung, die Finanzierung bis hin zu möglichen Gewährleistungskosten und Rechtsberatungen bei den Verträgen.

 

Ein Totalunternehmer ist günstiger

 

Weidemann hatte bei einem ähnlichen Schulprojekt in Sigmaringen mitgewirkt und sich auch auf Erfahrungen von dort gestützt.  Das Ergebnis seiner Berechnungen war eindeutig: Mit einem Generalunternehmer – oder Totalunternehmer (TU), wie ihn Weidemann nannte – , würde die Stadt günstiger fahren.

 

In seinem Modell kostete der Campus vom Totalunternehmer gebaut 88 Millionen Euro. Wenn die Stadt selbst ausschreiben würde, käme man auf 98 Millionen Euro. Auch wenn man einzelne Variablen ändere, etwa niedrigere Baukostensteigerungen annehme, im Ergebnis wäre der TU in jedem Fall günstiger, so Weidemann.

 

Mehr Spielräume

 

Die Gründe lägen überwiegend in der höheren Flexibilität bei der Auswahl von Firmen und Büros für den TU. Auch könne ein TU schneller entscheiden als die öffentliche Hand. „Es gibt immer Spielräume“, so Weidemann. Wichtig sei aber, dass der Bauherr, sprich die Stadt, dem TU auch gewisse Flexibilitäten einräume.

 

Und da hat Schramberg ein Problem. Idealerweise sollte ein TU schon ganz früh bei der Planung beteiligt sein. Der Schulcampus hat aber schon die beiden ersten Planungsphasen angeschlossen und befindet sich in der Planungsphase 3 der Entwurfsplanung.

 

Entscheidung schon zu spät?

 

Die hatte die Stadt zwar gestoppt, um zunächst die Frage Generalunternehmer klären zu lassen. Aber je früher der TU mit den Architekten und Planern zusammenarbeite, desto besser. Das habe den einfachen Grund: Der TU habe vertraglich einen Festpreis vereinbart. Den müsse er halten und deshalb schon in der Planung versuchen, die Kosten zu drücken, so Weidemann.

 

Zu seinen Zahlen betonte Weidemann, das seien Annahmen. Die würden gelten, wenn man jetzt starten würde mit den weiteren Planungen. Ob die Kosten sich tatsächlich so entwickelten, sei ungewiss. Es gehe ihm um den Vergleich der beiden Modelle. Da sei das Modell TU eben etwa acht Prozent günstiger. Deshalb empfehle er der Stadt das TU-Modell.

 

TU-Modell ist plausibel

 

In der Aussprache nannte Thomas Brantner – von Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr als „unser Wirtschaftsprüfer“ vorgestellt – die Zahlen und Ergebnisse des Büros PD „plausibel“. Der CDU-Rat fragte, was man noch flexibler machen könne, da man schon die Phase 3 erreicht habe.

 

Eisenlohr erklärte, die Leistungsphase sei zwar „vollständig beauftragt“, aber man habe mit den Büros vereinbart, die Arbeiten pausieren zu lassen, bis die Frage TU geklärt sei.

 

Der Leiter der Abteilung Hochbau Etienne Seif ergänzte, man könne die Leistungsphase nun auch vollständig abschließen zur Vorbereitung der Ausschreibung für einen TU.

 

Weidemann erläuterte, man brauche die Ausschreibung. „Im Wettbewerb werden die Einsparungen erreicht.“ Dann könnten die Bauunternehmen ihre unterschiedlichen Stärken zeigen. Sicher sei, dass ein Bauunternehmer neue Planungsbüros suchen müsse.

 

Funktionale Leistungsbeschreibung muss her

 

Clemens Maurer (CDU) forderte, die Leistungsphase 3 abzuschließen mit einer „Funktionalen Leistungsbeschreibung“. „Die geht an den Markt für eine TU-Ausschreibung.“ Jetzt müsse der Rat entscheiden, „was wir wollen“. Für ihn sei die Holzbauweise beim Schulcampus beispielsweise kein Muss.

 

Weidemann bestätigte, diese Leistungseschreibung sei das wichtigste für die Ausschreibung. Dafür gebe es spezialisierte Büros. Ein klassischer Architekt sei dafür nicht unbedingt geeignet.

 

Clemens Maurer fragte, weshalb Weidemann die gesamte Finanzierung dem TU überlassen wolle. Das sei für manche Bauunternehmen vielleicht ein zu hohes Risiko und könnte das Bewerberfeld einschränken.

 

Der Gemeinderat bleibt einbezogen

 

Tanja Witkowski (SPD-Buntspecht) sorgte sich um die Einflussmöglichkeiten des Rates beim TU-Modell.

 

Weidemann beruhigte, der Rat werde „durchgängig an allen Entscheidungen beteiligt sein“. Der Wettbewerb werde entschieden nach Kriterien, die der Rat vorgebe. Auch Eisenlohr will „sicherstellen, dass das Gremium an den entscheidenden Stellen dabei ist“.

 

Ralf Rückert (Freie/Neue Liste) wollte wissen, ob an den bisherigen Plänen überhaupt noch etwas zu ändern sei. Sein Fraktionskollege Max Neudeck fragte nach der Schulbauförderung. Es sei „elementar“, dass das nächstes Jahr kommt. Eisenlohr versicherte, sie sei persönlich beim Sachbearbeiter im Regierungspräsidium gewesen, dieser wisse, wie dringlich es sei.

 

Guido Neudeck fasste zusammen: Es gelte die Verfahrensfrage zu klären, also die Entscheidung für den Totalunternehmer. Dann käme eine Funktionale Leistungsbeschreibung und eine Bewertungsmatrix. Die Stadt müsste eine Steuerungsgruppe bilden und schließlich einen Bieterwettbewerb mit abschließendem Vertrag organisieren. Weidemann empfahl, ein professionelles Team zusammenzustellen, „damit man eine gute Vertragsgrundlage bekommt“.

 

Einstimmige Beschlussempfehlung

 

Am Ende der Sitzung hat der Ausschuss einstimmig einem Empfehlungsbeschluss für das TU-Modell an den Gemeinderat gegeben. Allerdings unter dem Vorbehalt, dass das Regierungspräsidium das TU-Modell akzeptiert.

 

Weiter soll die Verwaltung prüfen, inwieweit die bisherigen Architekten und Planer bei der Ausarbeitung der Funktionalen Leistungsbeschreibung einbezogen werden können.

 

Über die weiteren Themen wie Parkhaus, Interimsschule und Erweiterung der Karl-Diehl-Halle werde ich noch berichten.

 

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