.jpg)
Jana von Rechenberg und Tobias Bacher tauschen sich aus.
Von Martin Himmelheber
Schramberg. 28.06.2026 - Drei große Ventilatoren drehten sich im großen Sitzungssaal, als am Donnerstag der Ausschuss für Umwelt und Technik über Klimaschutz und Klimaanpassung beratschlagte. Bei gefühlten 35 Grad sollten die Gebläse für Erfrischung sorgen. Dass Hitzeschutz und Klimaschutz notwendig sei, stünde „außer Frage“, so Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr einleitend. Deshalb sei Schramberg auch dem Klimapakt beigetreten. Der nächste Schritt sei die Klimaanpassung.
Dazu hatte Klimaschutzmanagerin Jana von Rechenberg den Geschäftsführer der Klimaschutz und Energieagentur Schwarzwald-Baar-Heuberg (KLEA SBH) Tobias Bacher eingeladen. Der Klimaschutz laufe, aber der nächste Schritt, sich an den Klimawandel anzupassen, werde jetzt erst angegangen, so Bacher. Er nannte ein Beispiel: Die lange Trockenheit, der fehlende Schnee im Winter – die Ausmaße des Klimawandels seien am Bodensee „gigantisch“.
Kommunen müssen handeln
Bacher zeigte die Parallelität vom Anstieg des CO2 in der Atmosphäre und den Temperaturen. Nun gelte es, die Bevölkerung vor Hitze und Starkregen zu schützen, den Klimaschutz aber gleichzeitig weiter zu treiben.
Für die Kommunen heiße das etwa, „Schatteninseln schaffen, Wasserspiele installieren, Sickerwasser im Untergrund halten“. Seit Juli 2024 gilt das Klimaanpassungsgesetz. Es verpflichtet Landkreise und große Kreisstädte, bis 2031 ein Klimaanpassungskonzept zu erarbeiten. In Schramberg könne man das mit dem in Arbeit befindlichen Klimaschutzkonzept kombinieren, so Bacher.
Das Ziel müsse sein, schneller als bis 2031 fertig zu werden, denn dann zahle das Land einen Bonus bei der Umsetzung von Maßnahmen. Auch für die Klimaanpassung gibt es vier Euro je Einwohner, für Schramberg also etwa 85.000 Euro.
Hilfe beim Erstellen von Konzepten zur Klimaanpassung
Seine Agentur biete nun den Kreisen und Städten in der Region an, diese Konzepte zu erstellen. Da die KLEA viele Daten schon habe und man auch von den anderen Kommunen in der Region Ideen übernehmen könne, entstünden Synergieeffekte.
Insgesamt 16 Akteure spielten bei der Klimaanpassung eine Rolle, von Katastrophenschutz und Feuerwehr über Versicherungen und Stadtplaner bis hin zu Tourismusbetrieben und Energiewirtschaft. „Das Konzept hilft im Falle einer Katastrophe“, ist Bacher überzeugt. Schon vorhandene Konzepte würden integriert. „Wir schauen auch, was machen die Nachbarn?“
Am Ende stünde ein „praxisorientierter Maßnahmenkatalog mit Dingen, die man im Haushalt einbetten kann.“ Wenn Schramberg das wünsche, müsste die Stadt mit der KLEA einen Vertrag schließen. Diese würde für 29.750 Euro das Konzept erarbeiten. Zahlreiche Akteure mischen bei der Klimaanpassung mit.
KLEA gehört den Landkreisen
In der Aussprache bat Thomas Brugger (CDU) um Erläuterungen zur KLEA und wollte wissen, ob die 85.000 Euro vom Land zweckgebunden seien. Er fand entscheidend, dass die Konzepte auch umgesetzt würden.
Seine Agentur sei eine Gründung der drei Landkreise, Schwarzwald-Baar, Tuttlingen und Rottweil sowie einiger Kommunen, erläuterte Bacher. Sie erhalte Fördermittel vom Land, müsse aber auch wirtschaftlich arbeiten und nehme daher auch Aufträge an. Dank der Förderung sei man aber oft günstiger als andere Anbieter. Die 85.000 Euro seien nicht zweckgebunden für das Konzept.
Jürgen Reuter (Aktive Bürger) erinnerte an die knappen Kassen. Er meinte: „Wenn wir mehr als die 85.000 Euro ausgeben, fehlt uns das Geld an anderer Stelle.“ In den Haushaltsberatungen müsse man sehen, wie man Maßnahmen gegenfinanzieren kann.
Empfehlungen nicht verbindlich
Oskar Rapp (Freie/Neue Liste) erkundigte sich, in welchen Zeiträumen die Vorschläge umgesetzt werden sollten. Auch fragte er, ob es keine Doppelungen gebe, wenn der Kreis ein Konzept entwickle und die Städte ebenfalls.
Bacher betonte, jetzt gehe es nur um die Erstellung des Konzepts. „Es gibt keinen Zwang, etwas umzusetzen. Stand heute“, fügte er vorsichtshalber noch an. Sollte es eine Pflicht geben, werde das Land weitere Mittel dafür aufwenden. Wenn die KLEA die Konzepte gemeinsam mache, könne man solche Doppelarbeit vermeiden, ist Bacher überzeugt.
Rapps Fraktionskollege Emil Rode fand, die städtische Klimamanagerin könne das Konzept vielleicht auch selbst erarbeiten. Von Rechenberg müsse sowieso der KLEA zuarbeiten.
Von Rechenberg entgegnete, das sei zwar grundsätzlich möglich. Sie habe aber sehr viele andere Aufgaben wie Zuschussanträge stellen und das Klimaschutzprogramm erarbeiten. Auch sie bräuchte die Zuarbeit von Fachleuten, die ebenfalls Geld kosteten. Zeitlich würde es nicht reichen. Die KLEA zu nutzen, sei „ein Riesenvorteil“.
Reuter forderte, die Verwaltung müsse steuern, was finanziell machbar sei und nicht, was alles möglich wäre, “wir uns aber nicht leisten können“.
Brugger: „Worauf warten wir?“
Thomas Brugger schüttelte den Kopf angesichts der ungewöhnlichen Hitzewelle und fragte: „Worauf warten wir denn noch?“ Als Unternehmer sehe er die Folgen der Klimakrise. „Dinge, die wir tun können, sollten wir umsetzen.“ Man dürfe die Augen nicht verschließen.
Eisenlohr meinte, der Stadt seien ja schon Dinge gelungen, wie etwa der seitliche Rathausplatz. „Da haben wir nach machbaren Lösungen gesucht.“ Das Nebelfeld wäre „schön gewesen“, bedauerte sie. Aber immerhin gebe es den Trinkbrunnen der Stadtwerke.
Der Ausschuss stimmte schließlich einmütig für die Auftragsvergabe an die KLEA. Ende 2028 soll es dem Gemeinderat zum Beschluss vorliegen.
Ob das knapp 30.000 Euro teure Programm effektiver sein wird als die drei Ventilatoren im Sitzungssaal? Gefühlt haben die die warme Luft nur von einem Eck ins andere gepustet. (Aber vielleicht spricht aus mir auch nur der Neid, weil in meinem Eck kein Ventilator stand?)
| Besucher: | 76185 |
| Heute: | 228 |
| Online: | 3 |