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Die Temperaturen steigen schon im Mai auf mehr als 30 Grad.
Von Martin Himmelheber
Schramberg. 27.05.2026 - Eine frühe Hitzewelle überrollt Europa. Der Mai verzeichnet Hitzerekorde. Die Menschen stöhnen unter den Folgen des Klimawandels. Die Politik zieht Konsequenzen. Vor gut einem Jahr hatte der Gemeinderat beschlossen, dass die Verwaltung ein Klimaschutz- und Klimaanpassungskonzept erstellen und dem Gemeinderat berichten soll.
Dieses Konzept hat ein Freiburger Fachbüro, die endura kommunal Gesellschaft, erarbeitet und dem Ausschuss für Umwelt und Technik (AUT) vorgestellt.
Das Ziel: Klimaneutral bis 2040
Die städtische Klimaschutzmanagerin Jana von Rechenberg erinnerte daran, dass der Klimaschutz in Baden-Württemberg klar definiere, dass das Land bis 2040 klimaneutral werden solle. „Das ist auch auf kommunaler Ebene handlungsleitend.“ Auch sei Schramberg dem Klimaschutzpakt beigetreten.
Klimaneutralität bedeute aber auch, die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu verringern und die Versorgungssicherheit zu erhöhen. Mit dem Klimaschutzprogramm erhalte man einen „tragfähigen Fahrplan für die Stadt“.
Jessica Witowski von endura stellte die Ergebnisse der Studie vor. Zunächst hatte das Büro eine Energie- und Treibhausgasbilanz für Schramberg erarbeitet. Daraus folgte eine Potenzialanalyse und schließlich verschiedene Szenarien, wie die Stadt vorgehen könne.
Was wäre möglich?
Aufgrund der vorhandenen Daten, die Witowski als „sehr gut“ beschrieb, zeigte sich, dass bei der Wärmeversorgung der Wohnungen noch 87 Prozent auf fossilen Energien beruhten.
Die Treibhausgasemissionen stammten zu knapp einem Viertel aus privaten Haushalten. 25 Prozent aus Gewerbe. Fast ein Drittel aus dem verarbeitenden Gewerben und ein Fünftel vom Verkehr.
Bei der Wärme sehen die Fachleute ein Einsparpotenzial von 41 Prozent bis 2040. Insbesondere durch die Sanierung von Gebäuden in Privateigentum und in der Industrie wäre das zu erreichen.
Beim Strom ließe sich ein Drittel einsparen, etwa durch die Umstellung auf LED, das Vermeiden von Stand-by oder effizientere Geräte.
Regenerative Energien als Schlüssel
In verschiedenen Szenarien haben die Endura-Expertinnen dargestellt, was passieren müsste, um die Einsparziele zu erreichen. So müssten Umweltwärme und Erneuerbare die wichtigste Wärmequelle werden. Beim Verkehr müssten sehr viel mehr Elektroautos fahren, und die Zahl der ÖPNV-Nutzer um 50 Prozent steigen.
Bis 2040 müsste der Strom, komplett aus erneuerbaren Energien stammen. Dafür wären weitere Freiflächen-PV-Anlagen und Windräder nötig.
Handlungsbedarf
Fazit der Expertin: „Es gibt Handlungsbedarf, aber Sie haben auch sehr gute Möglichkeiten.“
Die nächsten Schritte für die Stadt seien, die Bevölkerung aber auch die Vertreter von Gewerbe und Industrie einzubeziehen. Man müsste beraten, welche Maßnahmen sinnvoll wären. Diese müsste dann der Gemeinderat beschließen.
Szenarien
In der Diskussion fragte Jürgen Kaupp (CDU) wie das mit dem Potenzial für Agri-PV zu verstehen sei. Agri-PV sind Photovoltaikanlagen, unter denen auch Landwirtschaft möglich ist. Die angegebene Zahl von 2.269 Hektar entspräche 28 Prozent der städtischen Fläche, so Kaupp ungläubig.
Eva Mutschler-Oomen von endura erläuterte, die Zahl stelle dar, was technisch möglich wäre. Ob es wirtschaftlich ginge, was realistisch wäre, sei eine andere Frage. Es gehe darum, darzustellen, dass das Potenzial sehr hoch wäre. „Die Szenarien sind ein Versuch darzustellen, wie man auf Null kommt.“
Ihre Kollegin Witowski ergänzte, das Potenzial heiße nicht, dass „alles zugepflastert“ werde.
Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr sah bei Windkraftanlagen auf Schramberger Gemarkung sehr viel mehr Potenzial. „Wir sind keine Fans von großflächigen PV-Anlagen.“ Sie störten das Landschaftsbild. Die Szenarien zeigten, was man tun müsste um die theoretische Klimaneutralität zu erreichen.
Reuter warnt vor "enormen Kosten"
Jürgen Reuter (Aktive Bürger) sprach von riesigen Kosten, die die vorgeschlagenen Maßnahmen brächten. Diese würden auch laufende Kosten verursachen. „Wer soll es zahlen?“, fragte er. Er beobachte, dass die EU, der Bund und das Land beim Klimaschutz „Rückzieher“ machten. „Aber Schramberg kann es?“
Eisenlohr erwiderte, nicht die Stadt sollte das alles umsetzen. Es gehe um private Investoren, die etwa bei der Sanierung von Gebäuden aktiv werden sollten. Stromerzeuger könnten die Kosten für die Investitionen über den Strompreis zurückholen.
Die Stadt könne mit Gebäudechecks, anderen Heizungen und Solaranlagen auf eigenen Gebäuden ihren Beitrag leisten. Aber das sei „ein schmales Scheibchen im Gesamtpaket“.
Reuter verstand das so: „Die Stadt macht sich einen schlanken Fuß.“ Die Kunden sollten es bezahlen. Dem widersprach Eisenlohr. Der Netzausbau sei Sache der Netzbetreiber. Man dürfe auch nicht „das Blaue vom Himmel versprechen“.
Workshops für Betriebe
Jana Von Rechenberg kündigte als nächste Schritte Workshops für die Betriebe an. Dabei komme es noch darauf an, was bewilligt werde.
Der Umweltbeirat begrüße, dass es beim Klimaschutz weitergehe, fügte Eisenlohr hinzu.
Bei einer Gegenstimme (Jürgen Reuter) hat der Ausschuss beschlossen, beim Klimaschutz wie vorgeschlagen weiter zu machen.
Info: Das Endura-Gutachten hat 14.280 Euro gekostet, davon erhielt die Stadt 3.600 Euro als Förderung. Für die „begleitende Akteursbeteiligung“ werden weitere 6.500 Euro fällig, wobei die Stadt 5000 Euro erhalten wird, wenn ihr Förderantrag bewilligt wird.
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