Von Martin Himmelheber
Schrmaberg. 01.05.2026 - Vor genau 20 Jahren war die Eingemeindung Tennenbronns nach Schramberg. Damals ein Ereignis von landespolitischer Bedeutung: Die erste Eingemeindung nach der Kommunalreform in den frühen 70er Jahren. Am 1. Mai 2006 feierte die Stadt ein gemeinsames Bürgerfest in Tennenbronn. Zum fünften „Geburtstag“ gab es ein riesiges „Bürgerfest im Bernecktal“ mit autofreiem Sonntag am 3. Juli 2011. Das zehnjährige Jubiläum beging Tennenbronn mit einem großen Dorffest und heute? Man liest nichts und hört nichts. Oder besser: fast nichts.
Deshalb eine kurze Erinnerung: Im Sommer 2005 wird der langjährige Tennenbronner Bürgermeister zum neuen Bürgermeister von Pliezhausen gewählt.
Bürgermeister oder Partner suchen?
Im Tennenbronner Gemeinderat überlegt man, ob man sich statt um einen neuen Bürgermeister zu bemühen, nicht direkt mit Schramberg zusammentun sollte. Hintergrund ist die desolate Finanzlage der Gemeinde Tennenbronn. Die Schule kann nicht saniert werden, die Kanalisation ist im Eimer, das Freibad kostet und müsste ebenfalls erneuert werden.
Hinter verschlossenen Türen beschließen die Räte in Tennenbronn und Schramberg Sondierungsgespräche aufzunehmen. Schon am 28. Juli beginnen die Gespräche. Im August bildet sich eine Bürgerinitiative „Selbstständiges Tennenbronn“. Im Oktober beschließen die Gemeinderäte, offizielle Verhandlungen zu beginnen. Die Verhandlungen werden bis Dezember 2005 abgeschlossen.
Heftige Debatten
Begleitet werden die Verhandlungen von heftigen Debatten in den örtlichen Zeitungen. Während der Südkurier mit seiner Redaktion in St. Georgen eher auf der Seite der Gegner steht, ist die Redaktion des Schwarzwälder Boten eher auf der Befürworter-Seite.
Ein Hauptargument für die Eingemeindung sind die höheren Landeszuweisungen, wenn Schramberg und Tennenbronn zusammen gehen. Etwa eine Viertel Million pro Jahr werde das ausmachen. Dieses Geld, so versprachen es die Schramberger, werde den Tennenbronner zugutekommen.
Die Gegner befürchteten, durch die Eingemeindung werde Tennenbronn seinen Charakter verlieren. Außerdem tendiere das Dorf traditionell Richtung St. Georgen und Villingen, kirchlich, sportlich, beim Schulbesuch.
Ein Bürgerentscheid am 15. Januar bringt mit knapp 62 Prozent ein deutliches Ja zur Eingemeindung. Mit mehr als 86 Prozent war die Wahlbeteiligung sehr hoch.
In den folgenden Jahren waren die Gräben im Dorf tief. Die Spaltung ging oft durch die Familien. Freunde und Nachbarn redeten nicht mehr miteinander. Doch schon dreieinhalb Jahre nach der Eingemeindung hat der damalige Oberbürgermeister Herbert O. Zinell beim Neujahrsempfang in Tennenbronn erklärt, viele „infrastrukturelle Schwachpunkte hier im Ort“ seien bereits beseitigt. Nicht nur, weil Schramberg sein neuer Stadtteil „lieb und teuer“ sei.
Viel Geld investiert
Nun 20 Jahre später hat Schramberg die Kanalisation auf Vordermann gebracht, die Schule saniert und das Freibad für fast acht Millionen Euro umgebaut. Der Spatenstich für eine neue Sport- und Festhalle für mehr als 13 Millionen Euro soll im Herbst erfolgen. Mit all diesen Investitionen hat die Gesamtstadt weit mehr Geld im Stadtteil Tennenbronn investiert, als damals im Eingemeindungsvertrag zugesagt war.
Nun 20 Jahre später sind die Gräben weitgehend geschlossen. Ein Beispiel: Seit bald sechs Jahren ist Manfred Moosmann ehrenamtlicher Ortsvorsteher. In der Eingemeindungsdebatte hatte er sich auf der Seite der Gegner positioniert.
Wenn ich es recht sehe, hat an den heutigen Tag lediglich der SPD-Ortsverein erinnert. Der platzierte seine traditionelle Wanderung am 1. Mai in Tennenbronn. Gemeinsam erwanderten die Genossinnen und Genossen die Augenblicksrunde. Mit dabei Schrambergs damaliger OB Herbert O. Zinell und die damaligen Stadträtinnen Elke Ringl-Klank, Renate Much und Stadtrat Martin Klaussner.
Die offizielle Erinnerung erfolgt dann ja vielleicht in fünf Jahren zum 25-jährigen Jubiläum.
Info: Am kommenden Mittwoch. 6. Mai um 19 Uhr im katholischen Gemeindehaus in Tennenbronn wird Herbert O. Zinell auf Einladung des Heimathausvereins an die Eingemeindung erinnern.
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