Schramberg - News

Kitas sind der Stadt lieb und teuer


Die Kita Kirchplatz. Foto: him

Von Martin Himmelheber

 

Schramberg. 23.05.2026 - Weil die Kinderzahlen – außer in Tennenbronn – in Schramberg zurückgehen, plant die Stadt in nächster Zeit keine weiteren Kindergartenplätze an den Kitas zu schaffen. Das hat die zuständige Abteilungsleiterin Kerstin Flaig im Verwaltungsausschuss berichtet.

 

Mit dem Don-Bosco- und dem Kirchplatz-Kindergarten seien im den letzten Jahren zusätzliche Plätze geschaffen worden. Schramberg habe aktuell 906 Kita- und 147 Krippenplätze. Insgesamt sind in den 17 Kitas der Stadt und der anderen Träger 216 Personen auf 174 Stellen beschäftigt. Die Stadt betreibt sechs Einrichtungen mit 21 Gruppen, die katholische Kirche ebenfalls sechs mit 22 Gruppen. Die evangelische Kirche ist Trägerin von drei Kitas mit neun Gruppen. Einen weiteren Kindergarten mit einer Gruppe betreibt die Stiftung St. Franziskus. In Waldmössingen hat die Stiftung lernen-Fördern-Arbeiten eine Kita mit drei Gruppen.

 

Kitas ausgelastet

 

Die Kitas seien im vergangenen Jahr „ausnahmslos voll ausgelastet“ gewesen, so Flaig. Die Warteliste habe man abbauen können. „Der Rechtsanspruch wird erfüllt.“ Im U-3 Bereich habe man eine Versorgungsquote von etwa 50 Prozent. Die Nachfrage nach Krippenplätzen nehme allerdings ab. Im Ü-3-Bereich, bei den Kindergartenplätzen liege die Quote sogar bei 107 Prozent. Das erleichtere die gewollte wohnortnahe Versorgung der Kinder. Probleme gebe es weiterhin in der Talstadt. Hier liege die Versorgungsquote bei lediglich 86 Prozent. Für viele Familien sei es nicht möglich, in anderen Stadtteilen angebotene Plätze zu wählen, schreibt Flaig in ihrer Vorlage.

 

In Sulgen gebe es mehr Plätze, als es Kinder dafür gebe. Dasselbe gelte für Tennenbronn, Heiligenbronn und Waldmössingen. Beim interkommunalen Kostenausgleich erhalte Schramberg inzwischen deutlich mehr Geld vom Umland als die Stadt zahlen müsse.

 

SprachFit wird ausgeweitet

 

Um Kinder besser auf die Schule vorbereiten zu können, möchte die Stadt die SprachFit-Angebote ausbauen. Bisher besteht das Angebot an zwei Kitas im Tal (Don Bosco und Seilerwegle) und an der Grund- und Werkrealschule Sulgen. Ab dem kommenden Kindergartenjahr sollen an den beiden Talstadtkindergärten je eine zusätzliche Gruppe angeboten werden. Neben der GWRS werden auch die Grundschulen in Tennenbronn und Waldmössingen SprachFit anbieten.

 

Grundschullehrkräfte gehen dafür vier Stunden in die Kitas (oder die Kinder kommen in die Schule), um die erforderliche Sprachkompetenz zu vermitteln. „Das Ziel: Kinder sollen nur noch schulbereit in die Schule kommen“, so das Kultusministerium.

 

Gut 11 Millionen für die Kitas

 

Die Kitas kosteten 2024 die Stadt 11,3 Millionen Euro. Fast die Hälfte, nämlich 5,25 Millionen trug die Stadt. Das Land zahlt etwa 28 Prozent (3,24 Millionen), die Eltern knapp 13 Prozent (1,45 Millionen). Der Rest verteilt sich auf sonstige Einnahmen, die Träger und weitere Zuschüsse. In den vergangenen Jahren seien die Kosten stärker als die Einnahmen gestiegen, so Flaig. Die Stadt habe in den letzten Jahren viel Geld in die Kindergärten investiert. Daher seien jetzt keine neuen Plätze geplant.

 

Sparen beim Angebot

 

Im Rahmen der Haushaltskonsolidierung suche man auch bei den Kitas nach Einsparmöglichkeiten. „Oberstes Ziel bleibt die Verlässlichkeit“, betont Flaig. Hier habe man nach den Turbulenzen in den letzten Jahren eine Stabilisierung erreicht. „Aber die Lage bleibt angespannt.“ Die Kitakräfte machten die Erfahrung, dass die Eingewöhnungsphase immer länger dauere. Dadurch verzögere sich auch die Neuaufnahme von Kindern unter dem Jahr. Das wiederum wirke sich schädlich auf die Landeszuschüsse aus.

 

Weil die Nachfrage nach Krippenplätzen zurückgeht, möchte die Stadt anbieten, nur drei Tage die Krippe zu nutzen. So könne man möglicherweise weitere Eltern erreichen und Plätze auffüllen. Bei den Sparmaßnahmen werde man „mit Augenmaß“ handeln. Beispielsweise werde das Mittagessen an der Kirta Kirchplatzschule entfallen, weil die Nachfrage gering sei.

 

Letztes Kita-Jahr: Wer zahlt?

 

In der Diskussion wies Jürgen Reuter (Aktive Bürger) auf den Koalitionsvertrag hin. Die Landesregierung wolle das letzte Kindergartenjahr verpflichtend und kostenlos machen. Darauf müsse sich die Verwaltung vorbereiten. Dies sei eine qualitative Herausforderung an die Erzieherinnen, die den Kindern Deutsch beibringen müssten.

 

Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr informierte, dass schon derzeit 93 Prozent der Kinder in Schramberg dieses letzte Kindergartenjahr besuchten. Knackpunkt sei die Frage der Finanzierung. Wenn das Land das verspricht soll es auch bezahlen, so Eisenlohr. Was die Qualifizierung der Beschäftigten angehe, mache sie sich keine Sorgen. Es gebe schon seit Jahren Sprachförderprogramme an den Kitas.

 

Tanja Witkowski (SPD-Buntspecht) dankte für die ausführliche Darstellung. Die Fortbildungen an Schulen und Kitas seien bereits angelaufen. Wie das Land den Anspruch umzusetzen gedenke, wisse man allerdings noch nicht. Der Städtetag setze sich dafür ein, „dass nicht wir die Zeche zahlen müssen“, so Eisenlohr.

Ralf Rückert (Freie/Neue Liste) fragten nach den Zahlen bei den Juniorklassen. Diese soll in Sulgen starten, so Flaig. Im darauffolgenden Jahr soll auch an der Berneckschule die Grundschulförderklasse zur Juniorklasse werden.

 

Der Ausschuss hat die in der Vorlage vorgeschlagenen Anpassungen in den Kitas einstimmig gebilligt.

 

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